13.12.2020

2020: Viel Raum für mutige Gestalter

Eine generelle Bewertung des Krisenjahres 2020 ist branchenübergreifend nicht möglich. Zu unterschiedlich sind die Auswirkungen, die die Pandemie auf ganze Industriezweige und einzelne Unternehmen hatte und wohl auch noch bis weit in 2021 hinein haben wird. Wie immer gibt es Gewinner und Verlierer, und solche in der Mitte: Bei einigen bestimmt maßgeblich die Branche über den Erfolg oder auch den Spielraum der ergriffenen Massnahmen.

Im Guten und im Schlechten. Mancherorts mussten jahrelang vorbereitete Projekte wie z.B. eine konzernweite Digitalisierung im HR-Bereich auf der Zielgeraden gestoppt werden. Dabei kann heute noch niemand sagen, ob hier mittel- und langfristige Nachteile entstehen oder die spontane Kostenreduktion auch Raum für eine umfassende „Neuerfindung“ des Unternehmens ermöglicht.

Andere haben es geschafft, sich im schwierigen Umfeld positiv zu entwickeln.  Dabei haben sich einige unsere Kunden mit der veränderten Marktsituation beschäftigt und ihre Produkt- oder Dienstleistungsstrategie verändert. Bei vielen wurden Anpassungen in Einkauf und Supply Chain vorgenommen, die die Steigerung der Versorgungssicherheit zum Ziel hatten. Auch wurden laufende Veränderungsprogramme fortgeführt oder aufgrund freigewordener Kapazitäten sogar intensiviert. Unterm Strich sind es die Mutigen, die sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten weiterentwickelt haben und gestärkt aus den Komplikationen hervorgehen werden.

Für alle aber gilt, dass sich die Art des Arbeitens massiv verändert hat. Der teils verordnete, teils freiwillig erfolgte Wechsel vom Büro ins Homeoffice betraf fast jedes Unternehmen. Ganz unterschiedlich wurde darauf reagiert, ganz unterschiedlich wird die post-corona Arbeitsumgebung gesehen.

Wir haben Unternehmen erlebt, die in Folge des ersten, überraschenden Lockdowns feststellen mussten, wie wenig sie über ihre Mitarbeiter wussten. Dadurch mussten Kommunikationswege über das Firmenbüro hinaus erst neu aufgebaut werden, mit allen denkbaren Reibungsverlusten bezüglich Befindlichkeit und Performance. Andere hatten corona-unabhängig bereits Pläne für mobiles Arbeiten in der Schublade und konnten diese recht spontan – zunächst ohne die vorbereiteten, korrespondierenden Trainings – umsetzen. Und schließlich haben wir die „hohe Schule“ erlebt: Ein Unternehmen, welches innerhalb von wenigen Wochen die gesamte Belegschaft mit Laptops und Telefonen ausgestattet und die internen Systeme für die vollständige Remote-Tätigkeit ertüchtigt hat. Dadurch wurde bereits im Krisenjahr die technische Basis gelegt, um die zukünftige Zusammenarbeit ausschließlich an der Aufgabe und den Bedürfnissen der Mitarbeiter zu orientieren. Hier wurden die Herausforderungen als Chance begriffen und Lösungen für die Zukunft mutig, konsequent und schnell umgesetzt. Beispielhaft.

Alle  Instrumente für erfolgreiches mobiles Arbeiten stehen zur Verfügung.

Axel Kellermann/Alexander Mauer

Allerdings ist mit technischer Anbindung noch nicht alles gewonnen. Die mit der Verlagerung des Arbeitsplatzes erforderlichen Veränderungen sind häufig nur provisorisch eingeführt worden und bedürfen in 2021 sicherlich der ehrlichen und tiefgreifenden Überprüfung. Hauptthemen werden dabei Führen auf Distanz und die Zusammenarbeit der Belegschaft untereinander sein. Regelmäßiges virtuelles Frühstück mit dem Team ist eine innovative und notwendige Methode, genauso wie das Feierabendbier am Bildschirm, das für alle den Arbeitstag erkennbar beschließt.

Mit Abklingen der Corona-Bedrohung werden auch die Arbeitsbedingungen vor Ort mehr in den Fokus rücken. Situationen, in denen Partner für unterschiedliche Unternehmen tätig sind, aber nun in 2 ½ Zimmern in 2 Home-Offices arbeiten, sind heute keine Seltenheit; eine nachhaltige Lösung ist das sicherlich nicht.

Die Ausprägungen, wie Unternehmen langfristig mit flexiblen Arbeitsorten umgehen, werden sehr verschieden sein. Wie man am Beispiel von Trigema-Chef Wolfgang Grupp sieht (nachzulesen im Handelsblatt vom 21.11.2020 unter https://www.handelsblatt.com/karriere/new-work-die-homeoffice-muffel-warum-sich-fuehrungskraefte-so-gegen-das-mobile-arbeiten-wehren/26635726.html) gibt es heute noch CEOs, die einer Tätigkeit abseits von Produktionsstätte oder Unternehmensstandort sehr skeptisch gegenüberstehen. Damit versperren sie möglicherweise den Weg für eine kulturelle Weiterentwicklung des Unternehmens, welche die neue gesellschaftliche Realität berücksichtigt: Den Wunsch der Mitarbeiter, etwas Sinnvolles zu tun (Purpose), und dies im Einklang mit den persönlichen Interessen – Flexibilität und Vertrauen eingeschlossen. Wird dieser Wunsch erfüllt, zahlen sie es mit Einsatzfreude und Leistungsbereitschaft zurück.

Scheinbar fehlt es denjenigen, die weiter eine auch räumlich enge Führung ihrer Mitarbeiter bevorzugen, an Hilfsmitteln, die die Interessen von Mitarbeitern und Unternehmen unter einen Hut bringen. Lösungen für moderne Erfolgsmessung gibt es (z.B. OKR, Balanced Scorecard, Transformational Leadership). Sie müssen allerdings mit klaren Spielregeln und attraktiven Anreizsystemen auf die jeweilige Situation angepasst und sensibel und nachhaltig eingeführt werden

Visual: A. Mauer

 

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Wandel ist positiv! Wir sorgen mit Know-How und Empathie dafür, dass Veränderung gelingt. Alexander Mauer und Axel Kellermann sind Transformations-Profis und als selbstständige Interim-Experten aktiv. 2017 gründeten die Branchenkenner proINject – Interim Network.
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