29.05.2019

Auf dem Holzweg zum Erfolg

Laut einer aktuellen Studie des Weltwirtschaftsforums ist Deutschland das innovativste Land der Welt. Doch wie gelingen Innovationen im Alltagsgeschäft eines Unternehmens? Und lässt sich Querdenken systematisieren? Von Bambusfasern in der Autoindustrie und Tennisschlägern für den Flugzeugbau.

Innovativ sein, die eigene Branche revolutionieren, neue Märkte erschließen: Unternehmer wollen und müssen fortschrittlich denken, um den Fortbestand ihrer Firma oder Marke zu sichern. Gerade in Zeiten tiefgreifender Veränderungen in der Arbeitswelt. Entwicklungen wie die Digitalisierung sowie die zunehmenden Auswirkungen des Klimawandels erfordern in vielen Firmen Umdenken und Transformation. „Jedes noch so gute und vielleicht sogar marktführende Unternehmen muss sich heute fragen, wie und womit es morgen noch Geld verdienen wird und ob das derzeitige Geschäftsmodell auch nachhaltig erfolgreich sein kann. Das erfordert Querdenken“, sagt Innovationsexperte Hans-Joachim Lauterbach.

Der langjährige Interimer weiß aus eigener Erfahrung, dass Innovation vor allem – oder gerade – dann entsteht, wenn Standards infrage gestellt werden und Menschen ohne Scheuklappen oder Betriebsblindheit agieren. In Deutschland funktioniert das. Eine aktuelle Studie des Weltwirtschaftsforums wies Deutschland den Spitzenplatz in puncto Innovationskraft zu. Ausschlaggebend für diese Bewertung waren unter anderem die Zahl der angemeldeten Patente, wissenschaftliche Veröffentlichungen und die Zufriedenheit der Kunden mit Produkten.

Strukturen für Innovation schaffen

In Zeiten der Transformation muss jede Firma Innovationsdenken verinnerlichen.

Hans-Joachim Lauterbach

Wie aber entstehen konkret innovative Ideen oder Produkte in den einzelnen Unternehmen? Die finanzielle Beteiligung an Start-ups mag für Großunternehmen ein bequemer und möglicherweise lukrativer Weg sein, Innovationen zu ermöglichen. In der eigenen Firma bleibt so allerdings in der Regel alles beim Alten. „Um sich als Unternehmen selbst herauszufordern und neu erfinden zu können, ist ein kluger Umgang mit den informellen Vorgängen innerhalb der Organisation gefragt. Unternehmen brauchen Mitarbeiter, die die Regeln der Organisation unterlaufen dürfen, denn Innovation entsteht oftmals durch Abweichung von der Norm. Diese durchlässige Struktur wird in Zukunft immer wichtiger“, erklärt Lauterbach und ergänzt: „Sinnvoll für diese Position können auch Experten auf Zeit sein, die durch ihre verschiedenen Einsätze leichter Querverbindungen herstellen. Gleichzeitig helfen Interim-Manager aber auch, die Innovationskultur in einem Unternehmen systematisch aufzubauen.

Bambusfasern für die Automobilindustrie

Als externer Spezialist war der Österreicher in diversen Entwicklungsprojekten an weitreichenden Innovationen beteiligt. So beispielsweise an der inzwischen üblichen Verwendung von Bambusfasern für Innenraum-Dekorelemente in der Automobilindustrie. Ursprünglich wollte der Investor mit Bambusplantagen in Ghana mit dem schnell nachwachsenden Rohstoff Biomassekraftwerke beliefern. „Durch Querdenken kamen wir auf die Idee, die extrem stabilen Bambusfasern als Zusatz zu bestehenden Spritzgussmaterialien anzubieten. Heute werden bis zu 30 Prozent Naturfasern bei Dekorelementen im Auto beigemengt“, erzählt der Innovationsexperte. Die Firma erzielt durch den neu entdeckten Absatzmarkt den 20-fachen Erlös für Bambus im Vergleich zur angedachten Verwendung als Biobrennstoff und ermöglicht der Automobilindustrie dank der Einsparung von Kunststoff eine nachhaltigere Produktion.

Ähnliches erlebte der passionierte Experte für Change-Management auch bei einem Sportartikelhersteller, der nach neuen Märkten und Geschäftsideen suchte. „Hier war die Idee, das Produktionsverfahren von Tennisschlägern aus ultraleichter Karbonfaser auf die Herstellung von Bauteilen für die Flugzeugindustrie anzuwenden“, erzählt Lauterbach. Mit Erfolg – heute erzielt das mittlerweile ausgegliederte Unternehmen den dreifachen Umsatz und ist ein weltweit führender Zulieferer von Verbundwerkstoffen.

Foto: iStock / Michael Utech
Hans-Joachim Lauterbach
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Hans-Joachim Lauterbach
Hans-Joachim Lauterbach verfügt über mehr als 25 Jahre internationale Führungsverantwortung in Großkonzernen und familiengeführten mittelständischen Unternehmen. Der studierte Chemiker und erfahrene Interim-Manager ist auf Transformations- und Innovationsprozesse spezialisiert.
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