27.11.2018

Netzwerken ohne Scheuklappen

Sich als Interim Manager überzeugend zu positionieren ist das eine, sich auch nachhaltig am Markt zu platzieren das andere. Im zweiten Teil unserer Serie „Eigenmarketing für Experten“ erklärt der Kölner Interim Berater Malte Borchardt wie das gelingt.

Herr Borchardt, Netzwerken will gelernt sein. Auf welche Kontakte kommt es für Interimer an?

Grundlegend für erfolgreiches Netzwerken ist, alle wichtigen Stakeholder im Blick zu haben. Provider sind zwar einer der wichtigsten Bezugspunkte für Interim Manager. Viele Interim Manager fokussieren sich allerdings zu stark auf sie und ignorieren weitere produktive Anknüpfungspunkte. Auf Veranstaltungen erlebe ich immer wieder, dass Interim Manager zwar vehement den Kontakt zu Providern suchen, aber sich kaum für die eigenen Kollegen interessieren, bei denen man aber auch bekannt sein sollte.
Die Kollegen sind schließlich selbst beim Kunden und erkennen dort vielleicht den zusätzlichen Bedarf zuerst. Dann muss das eigene Netzwerk vorhanden – und vor allem belastbar sein. Neue Kontakte ergeben sich beispielsweise auf Fachmessen. Auch der Kontakt zu Universitäten und Lehrstühlen kann förderlich sein, man muss sie als Multiplikatoren sehen. Generell gilt, dass ein Interimer sein Netzwerk aus mehreren Kanälen speisen sollte, sich bei seinen Aktivitäten dann aber sehr wohl fokussieren muss.

Welche Rolle spielt die mediale Vernetzung?

Professionelle Netzwerke wie Xing und LinkedIn sind optimal für die Netzwerkpflege, dabei zu sein ist Pflicht. Die Homepage ist wichtig, um sich und sein Angebot auf professionelle Art und Weise zu zeigen. Ein Blog kann ein gutes Mittel sein, um seine Expertise darzustellen und das Netzwerk auf dem Laufenden zu halten. Gerade Spezialisten können sich so mit ihrem Fachthema ideal profilieren. Wichtig ist aber, dass der gewählte Kanal zur Zielgruppe passt und dann relevanter Content geliefert wird. Für Plattformen, Provider und die eigene Vorstellung wird das Video als Präsentationsmittel immer wichtiger.
Hier kann ich mich meiner Positionierung gemäß darstellen und schnell deutlich machen, wofür ich stehe. Mit einem eigenen Logo oder Namenssignet in Verbindung mit einem Claim kann ich zudem für einen hohen Wiedererkennungswert sorgen, vor allem aber dafür, dass der Betrachter sofort versteht, was ich für ihn leisten kann. Voraussetzung für die mediale Selbstpräsentation ist, dass ich mir vorher Gedanken über die eigene Positionierung gemacht habe und auch meine Zielgruppe klar eingegrenzt habe und diese passend – z.B. je nach Branche oder meinem Tätigkeitsbereich modern, konservativ oder klassisch – anspreche.

In welchem Rhythmus oder zu welchen Zeitpunkten sollte ich mein Netzwerk pflegen?

Manager müssen ihre Möglichkeiten, aber auch ihre Eigenverantwortung beim Netzwerken und der Selbstpräsentation erkennen.

Malte Borchardt

Viele Interim Manager kommen aus einem intensiven Mandat und haben über Monate hinweg kein Marketing in eigener Sache betrieben. Sie fangen erst dann an, sich in ihrem Netzwerk zu zeigen; im Endeffekt fangen sie wieder bei null an. Ich sehe deshalb einen riesigen Bedarf bei den Interim Managern das eigene Netzwerk auch regelmäßig während des laufenden Mandates über die eigene Entwicklung zu informieren. Ein gelungenes Mandat kann ein guter Anlass dafür sein. Man dokumentiert die Erfolge des Mandats in einem Bericht, teilt den Inhalt auf den vorhandenen Kanälen und tritt damit auch an die Provider heran – regelmäßig aber unaufdringlich. Ganz unabhängig davon muss man den Provider oder den Portalbetreiber natürlich über seine Verfügbarkeit informieren. Im Optimalfall kann der Manager dies online tun und selber pflegen.

Soziale Netzwerke, Blogs, Signés – beobachten Sie bei dem einen oder anderen Kunden manchmal Berührungsängste?

Sich zu positionieren bedeutet durchaus, den Wert der eigenen Arbeit wie eine Marke darzustellen. Trotzdem sind Interimer natürlich in erster Linie eines: Manager mit einem Spezialgebiet oder einer besonderen Führungsgabe. Doch der Unterschied zwischen Interimern und Festangestellten auf Zeit wird immer geringer und die Konkurrenz steigt. Auf lange Sicht hilft nur eine bessere, professionelle Selbstpräsentation, um überhaupt sichtbar zu sein und es zu bleiben. Datenbanken schaffen Transparenz auch und das ist wichtig für die Kunden. Die eigene Präsentation schafft dann aber die Differenzierung, die der Kunde benötigt, um entscheiden zu können, wer final der richtige Manager ist.

Foto: iStock / Malte Borchardt
Malte Borchardt
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Malte Borchardt
Malte Borchardt ist erfahrener Marketingprofi, der viele Jahre für die Dachgesellschaft Deutsches Interim Management (DDIM) aktiv war. Seit 2015 betreibt der Diplom-Kaufmann die Firma forma interim und verhilft Interim Managern zum professionellen Marktauftritt.
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