07.02.2019

„Private Equity braucht Interimer“

Beim Neujahrsempfang des Private-Equity-Forums NRW in Düsseldorf präsentierte die Branche ihre Zahlen: Die Fonds sind voll, die Konkurrenz wächst. Und für Interimer bieten sich viele Chancen, sagt Experte Dr. Ulrich Lehmann.

Ulrich Lehmann ist Mitbegründer des proINject-Interim Networks und Experte für das Private Equity-Geschäft.

Herr Dr. Lehmann, Sie sind seit vielen Jahren im Private-Equity-Geschäft aktiv. Zu Beginn des Jahrtausends stand das Geschäftsmodell in Deutschland in der Kritik, wie steht es derzeit um das Ansehen der Branche?

Private-Equity-Beteiligungen haben sich inzwischen auch in Deutschland als erfolgreiches Geschäftsmodell etabliert – nicht nur für Investoren, sondern auch für die Unternehmen. Das einstige Heuschrecken-Image ist passé, inzwischen sind Private-Equity-Beteiligungen gern gesehen, weil sie den Firmen guttun. Es geht nicht darum, Unternehmen auseinanderzunehmen, sondern ihr Potenzial auszuschöpfen und sie wertvoller zu machen. Viele bekannte heimische Firmen wie Grohe, Stada und Hugo Boss sind in den vergangenen Jahren von Privatinvestoren aufgekauft worden.

Sie haben im Januar am Neujahrsempfang des Private-Equity-Forums NRW teilgenommen. Wie schätzen Sie als Kenner den anhaltenden Boom der Branche ein?

Wolfgang Lubert (2. v. l.), Vorsitzender des Private Equity Forums NRW.

Wolfgang Lubert (2. v. l.), Vorsitzender des Private Equity Forums NRW.

Fakt ist: Immer mehr Wettbewerber auf dem Markt kämpfen um gute Deals. Das Investitionspotenzial ist zwar relativ stabil, aber es gibt eben nur eine bestimmte Anzahl von Unternehmen mit Top-Performance oder dem Potenzial dafür. Das treibt die Bewertungen der Firmen nach oben. Das Geld ist vorhanden, denn die Fonds der Private-Equity-Firmen sind eine beliebte Geldanlage mit überschaubarem Risiko und signifikanter Rendite. Aktuelle Zahlen des Private Equity Forums NRW zeigen, dass in diesen Fonds weltweit derzeit 570 Milliarden Euro liegen, die noch nicht angelegt sind. Zum Vergleich: In Deutschland investierten Beteiligungsfonds im vergangenen Jahr fast fünf Milliarden Euro in mittelständische Unternehmen, ein bisheriger Rekord. Aus Interimer-Perspektive kann ich sagen, dass es hier eine Branche gibt, die Interimern in den kommenden Jahren viele Einsatzchancen bietet.

Warum sind Interimer gerade jetzt bei Private-Equity-Beteiligungen gefragt?

Aktuelle Zahlen des Private-Equity-Forums NRW zeigen, dass in sämtlichen Private-Equity-Fonds weltweit derzeit 570 Milliarden Euro liegen, die noch nicht investiert sind.

Dr. Ulrich Lehmann

Zurzeit sind Gewinn-Multiplikatoren, die bei der Kaufpreisbestimmung eine Rolle spielen, auf einem Rekordhoch, bei der Forum-Veranstaltung in Düsseldorf wurde der Faktor 12,5 genannt. Um solche Unternehmen beim Exit noch mit Rendite weiterzuverkaufen und ihren Wert zu steigern, sind Hochleistungen im operativen Geschäft nötig. Dafür wird das gewisse „Do-how“ für operative Projekte benötigt: Preisoptimierung im Verkauf, Lieferantenreduktion, Abbau von Komplexität oder mehr Produktionseffizienz. Interimer sind dafür ideal, weil sie über die passende Erfahrung verfügen und Erfolge nachweisen können. Der Private-Equity-Investor muss keinen Kaltstart fürchten, denn Interimer sind es gewohnt, in einem neuen Unternehmen vom ersten Tag an Maßnahmen umzusetzen. Der Druck von „100 Tage“-Programmen ist für Manager auf Zeit quasi Alltagsgeschäft.

Einige Private-Equity-Firmen verfügen über In-House-Beratungsfirmen, speziell für die Betreuung der eigenen Beteiligungen. Was bedeutet das für die Chancen von Interimern?

Es ist richtig, dass große, renommierte Firmen wie zum Beispiel Kohlberg Kravis Roberts & Co. (KKR) eigene Berater haben. Dort hat man erkannt, dass es zielführend ist, die Beteiligungsunternehmen auch operativ zu unterstützen. Durch die wachsende Anzahl von Private-Equity-Deals ist der Bedarf an Beratern und – vor allem – an tatkräftigen Interimern massiv gestiegen. Für kleinere Private-Equity-Firmen ist ein Manager auf Zeit Gold wert, bei Projekteinsätzen oder auch in der Rolle eines Operating Partners. Interimer, die sich für diesen Bereich interessieren, können Veranstaltungen wie beispielsweise das Private-Equity-Forum NRW nutzen, um die Akteure der Branche kennenzulernen und Kontakte zu knüpfen.

Fotos: Hanne Engwald / Private-Equity-Forum NRW.
Ulrich Lehmann
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Ulrich Lehmann
Dr. Ulrich Lehmann ist seit rund zehn Jahren als selbstständiger Interimer aktiv. Nach Stationen in der Beteiligungsfinanzierung, Unternehmensberatung und 15 Jahren operativer Tätigkeit auf Führungsebene ist er als Gründer von proINject auch Ansprechpartner für Private-Equity-Investoren.
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