22.12.2021

Change is all around

Weihnachten hat in diesem Jahr vielleicht eine gesellschaftlich noch höhere Bedeutung als für Christen seit vielen Jahrhunderten sowieso. Das sich hoffentlich einstellende Nachlassen der Betriebsamkeit zum Jahreswechsel sollte Raum geben für Abkühlung und Reflexion.

Beides ist dringend notwendig. Immer lauter und schriller werden die Äußerungen derjeniger, die sich in ihren Rechten eingeschränkt fühlen, während mit der Omikron-Variante und möglicherweise zukünftigen noch potenteren Virusmutationen ein – kontaktloser – Schulterschluss innerhalb der Gesellschaft geradezu überlebenswichtig wäre. Überlebenswichtig für den Einzelnen, der sich bezüglich des leicht möglichen Selbstschutzes unbedingt impfen und auffrischen lassen sollte, und für die Gemeinschaft, die durch die Summe des Selbstschutzes die kollektive Gefahr überstehen kann: Durch eine geringere Belastung des Gesundheitssystems und dadurch auch zur Aufrechterhaltung für all das Notwendige jenseits von Covid.

Leider sieht es nicht danach aus, als könnte dies schnell gelingen.

Die Abhängigkeiten zwischen konkreter Gefahr, individuellen Handlungsmöglichkeiten und Verantwortung auch für den Nachbarn scheinen für viele zu komplex zu sein. Damit ist wieder eine Bühne für die Rattenfänger bereitet, die mit den einfachen Antworten aufwarten. Das sind die, die aus der Verunsicherung der Menschen Kapital schlagen, sei es wirtschaftlich oder nur in Form von Wichtigtuerei und Erhaschen von Aufmerksamkeit, jedenfalls mit dem Mittel der Desinformation und Anstachelung. Dabei werden die persönlichen Freiheitsrechte von der konkreten Gefahrenlage abstrahiert und möglicherweise erforderliche persönliche Einschränkungen überhöht.

Neben der Komplexität und Unmittelbarkeit des Geschehens spielen die grundsätzlichen und regelmäßigen Reaktionsmuster der Menschen unserer Zeit eine große Rolle, wenn es um Wandel geht. Ausgeprägte Veränderungsbereitschaft ist keinem in die Wiege gelegt, zumindest nicht in unserer nach wie vor preußisch geprägten Kultur. Einigen anderen, z.B. Israel und den Niederlanden, fällt der Umgang mit Veränderung leichter.

Veränderung ist notwendig, schon für den Erhalt des Status Quo.

Alexander Mauer

Es hilft aber nichts. Veränderung ist notwendig und auch schon für den Erhalt des Status Quo erforderlich, allein weil das Umfeld stetigem Wandel unterworfen ist, weil die Welt sich dreht.

Insofern sind wir mit den Herausforderungen auch nicht am Ende, wenn diese Pandemie einmal ausläuft. Die wesentlichen Themen, die gelöst werden müssen, um das Überleben der Menschheit zu sichern, gewinnen einfach mit der Zeit massiv an Größe und müssen dringend und mit höchster Priorität angegangen werden. Ob es zum Beispiel der Kampf gegen den Klimawandel zulassen wird, unseren gewohnten „Way of Life“ fortzusetzen, ist höchst zweifelhaft. Jedenfalls sind die Konfliktlinien durch die Coronakrise bereits vorgezeichnet: Immer weiter ausgeprägter Individualismus und Egoismus gegenüber Verantwortung für Gemeinschaft, die hier noch etwas abstrakter als gesamte Menschheit auftritt. Hinzu kommt noch die zusätzliche Garantenstellung für die noch nicht geborenen Generationen, deren Schutz nun auch das Bundesverfassungsgericht als Staatsziel erkannt hat (Beschluss des Ersten Senats v. 24. März 2021, 1 BvR 2656/18 et al.).

Aber: Jeder Veränderung, jedem Wandel liegt auch ein gewisser Zauber und immer auch eine Chance inne, die Dinge besser zu machen. Als diejenigen, die sich professionell mit Transformation befassen, sind wir heute und in Zukunft besonders gefordert, an einem Gelingen der konkreten und weniger klaren Herausforderungen mitzuwirken.

Dabei muss mit geeigneter Kommunikation jeder mitgenommen werden, ohne das Tempo des Zögerlichsten zu wählen – dazu ist keine Zeit mehr!

Deshalb gibt es auch keine Zeit mehr, abzuwarten. Wer beim Kampf gegen den Klimawandel glaubt, die (große) Lösung käme irgendwann aus Berlin, Brüssel, Peking oder Washington, verkennt, dass die großen Veränderungen seltenst dem Mainstream entspringen. Zu schwer ist der Rucksack der Interessen und das Gewicht deren Vertreter, als dass eine ausschließlich auf die Zielerreichung gerichtete Politik den Weg weist. Die Veränderung kommt aus der Nische und diese müssen wir selbst finden und bespielen. Mit dem Finger auf den Nachbarn zu zeigen, was dieser denn alles falsch macht, hat noch nie etwas bewirkt. Und bezogen auf den menschengemachten Klimawandel ist solches aus Sicht einer Industrienation auch noch unlauter gegenüber all denen, die heute nach dem Streben, was wir bereits vor Jahrzehnten erreichten und dabei das Klima ruinierten.

Frustrieren wir nun nicht an der Größe der Aufgaben, gehen wir sie an. Jetzt. Und tragen wir, jeder nach seinen Fähigkeiten, privat und im Beruf, mit Gedanken, Worten und Werken dazu bei, dass die Welt nicht nur besser wird sondern auch überlebt.

Wir wünschen unseren Freunden, Kunden und Kollegen eine Zeit der erholsamen Besinnung. 2022 wird uns wieder fordern; wir freuen uns drauf.

Frohe Weihnachten

Visual: A. Mauer

 

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Alexander Mauer von proINject – Interim Network
Wandel ist positiv! Wir sorgen mit Know-How und Empathie dafür, dass Veränderung gelingt. Mit dem Council of Experts sorgen wir auch bei komplexe Anforderungen für Projekterfolg. Als Einzelkämpfer oder im Team!
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